Gustav-Adolf-Werk Kurhessen-Waldeck e.V.

Gustav-Adolf-Werk Kurhessen-Waldeck e.V. – Bericht

Blick in die Einrichtung
25.02.2017

Mit 17 auf der Straße: „Unsere Stimme“ hilft jungen Frauen in Kirgistan

Kurhessisches Gustav-Adolf-Werk unterstützt soziale Arbeit der Lutherischen Kirche

Machabat war 17 Jahre alt, als sie plötzlich auf der Straße stand. Sie hatte weder einen Beruf erlernt noch gelernt, für sich selbst zu sorgen, nachdem sie aus dem staatlichen Kinderheim in Kirgistan entlassen worden war. Doch Machabat (Name geändert) hatte Glück, die von der lutherischen Kirche gegründete Stiftung „Unsere Stimme“ in Bischkek nahm sie auf.

Das Gustav-Adolf-Werk (GAW) Kurhessen-Waldeck pflegt seit zwei Jahrzehnten eine enge Partnerschaft zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kirgistan (ELKK). Über diese Minderheitskirche im Vielvölkerstaat Kirgistan soll hier berichtet und exemplarisch ein Projekt vorgestellt werden. 14 Gemeinden sind über das ganze Land verstreut. Eine der größten existiert in der Hauptstadt Bischkek. Bischof der ELKK ist seit 2005 Alfred Eichholz.

Beim Blick in die „Schweiz Zentralasiens“, kann man staunen, was eine Minderheitskirche mit annähernd 1000 Gemeindegliedern zu bewirken vermag. Die ELKK versucht, die Herausforderungen zu meistern: den Schwund an Gemeindegliedern infolge von Auswanderung, die schwierige wirtschaftliche Lage und der Kampf um die Anerkennung als „Kirche“ im muslimisch geprägten Land.

Seit 2012 besteht in Bischkek das Projekt „Unsere Stimme“. Diese Einrichtung setzt sich für junge Frauen im Alter von 16 bis 25 Jahren ein, die aus staatlichen Kinderheimen entlassen werden. Dort finden sie ein Zuhause auf Zeit. Ainura Ormonova, Leiterin der Einrichtung, berichtet: „Wir nehmen die Mädchen bei uns auf, wenn sie aus den staatlichen Kinderheimen entlassen werden. Sie haben keine Familie und würden auf der Straße landen.“

Der Weg der Mädchen führe oftmals in die Prostitution. „Wir können das zu verhindern versuchen. Die Mädchen ergreifen dankbar die Chance, einen Beruf zu erlernen. Manche streben sogar ein Studium an. In unserer Einrichtung lernen die Mädchen den Weg in ein selbständiges Leben. Jedes Jahr können wir zehn Mädchen bei uns aufnehmen.“ So wie Machabat.

Bei allen positiven Einschätzungen sieht Leiterin Ormonova die Einflussmöglichkeiten der Stiftung auch kritisch: „Mit der Arbeit, die wir machen, ist das Gesamtproblem nicht gelöst. Es ist ebenso wichtig, Gesetze zu ändern und diese durchzusetzen.“ Zum Glück sei es ihnen bereits gelungen, das Problem der ehemaligen Waisenheimkinder in der Regierung und in der Gesellschaft zum Thema zu machen. Dazu waren sie mit zwei Mädchen im Parlament und sprachen mit Abgeordneten. „Wir haben damit die Gesetzesänderung bewirkt, nach der inzwischen jeder Volljährige in Kirgistan ein Recht auf Unterkunft hat. Unsere Stimme wird langsam lauter.“

Das sozialdiakonische Engagement der lutherischen Kirche in Kirgistan insgesamt wird in der Gesellschaft wahrgenommen. Davon berichtet immer wieder Bischof Alfred Eichholz. So habe ein einflussreicher Moslem im Hinblick auf die diakonische Arbeit der ELKK geäußert :„Diese Religion ist eine gute Religion.“

Damit diese Arbeit auch weiter gewährleistet ist, setzen sich das Gustav-Adolf-Werk Kurhessen-Waldeck und die Landeskirche von Kurhessen-Waldeck gemeinsam ein. Seit 20 Jahren hat sich die Partnerschaft mit der ELKK bewährt. Durch regelmäßige wechselseitige Delegationsbesuche aus Kirgistan und Kurhessen-Waldeck bekommen die Gäste einen unmittelbaren Eindruck, wie Gemeinde und Diakonie im jeweils anderen Land funktionieren.

 

Ulrike Kany
Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit
Gustav-Adolf-Werk Kurhessen-Waldeck

 

Dieser Artikel wurde im Februar 2017 in "blick in die kirche" veröffentlicht download
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